Australiens Aborigines – das Recht auf Gleichstellung geht nur langsam voran

Übersetzerin: Claudia Oppong Peprah / Revisor: Guéric Cardet

Seit Ankunft der britischen Kolonialherren vor mehr als zwei Jahrhunderten haben es die Überlebenden schwer. Nachdem James Cook das Land betrat, mussten die Aborigines mitansehen, wie sich ihre Lebensbedingungen rapide verschlechterten. Die Briten erklärten Australien zum „Terra Nullius“ (lateinisch für „Niemandsland“), was ihnen uneingeschränkte Vollmacht über die schutzlose (Ur-)Bevölkerung gab. Es dauerte bis 1967, bis die Regierung den Aborigines Staatsbürgerschaft und Gleichberechtigung gewährte. Dennoch ist die eine oder andere kleinere Benachteiligung auf australischem Boden auch heute noch gang und gäbe.

Nur 46% der Aborigines über fünfzehn sind heute in das Arbeitsleben integriert, 27% davon in Vollzeit, verkündet die „National Aboriginal and Torres Strait Islander Social Survey“ (eine multidimensionale Sozialstudie, die alle sechs Jahre unter den Ureinwohnern Australiens durchgeführt wird, Anm. d. Red.). Die jungen Aborigines tun sich also schwer, sich in die moderne Gesellschaft zu integrieren. Dies lässt sich mit der Politik des „White Australia“ (deutsch: des „Weißen Australiens“) erklären, die von den Regierungen befürwortet wurde, die auf das 20. Jahrhundert folgten, und hat ihnen mit den Jahren immer mehr ihrer Identität und ihrer Rechte genommen.

Für die Mehrheit der Aborigines ist es daher wirklich nicht leicht, sich an die europäische Lebensweise zu gewöhnen. Zudem noch Groll zu hegen, gegenüber der Nation, die sie von ihrem Land enteignet hat, hilft auch nicht weiter. Aber 2008 kehrte mit Kevin Rodds apologetischer Rede „New Beginning“ (deutsch: Neuanfang) die Hoffnung zurück. Diese richtete sich and die Opfer der „Stolen Generations“ (deutsch: der „Gestohlenen Generationen“), um sie seitens der Regierung um Verzeihung zu bitten und eine neue Ära zwischen den Aborigines und der australischen Nation einzuläuten.

Die Art und Weise, wie man diese Leute nach 1788 behandelt hat, hat nur dazu beigetragen, die Kluft zwischen den beiden Welten zu vergrößern. Die selbstzerstörerischen Konzepte der Politik haben gezielt darauf hingewirkt, die Kultur der Aborigines auszumerzen. Man könnte hier den Landraub des heiligen Bodens oder den Kindesraub der Säuglinge aus Mischehen als Beispiele anführen.

Ein Volk von Antipoden mit europäischer Kultur

Die Kultur der Aborigines war einfach. Ihr Überleben war von der Natur abhängig. Sie waren ein Volk aus Jägern und Sammlern, das dank seines großen Wissens um Flora und Fauna, die sie umgab, fortbestehen konnte. Aber die Dinge änderten sich aufgrund eines radikalen Ethnozids. Die Aborigines leben mittlerweile überwiegend in den Städten und ein Großteil ihrer Population im jugendlichen Alter ist mit einer langen Liste an Mängeln behaftet: erhöhter Konsum an unerlaubten Substanzen, geringe Schulbildung, Alkoholprobleme, Misshandlungen, Vergewaltigungen, praktisch keinerlei Zugang zu medizinischer Versorgung …

Mehr noch, aufgrund der Änderung ihrer Grundnahrungsmittel, sind die Aborigines nun einer Vielzahl chronischer Krankheiten ausgesetzt. Ihre Mahlzeiten bestanden aus gegrilltem Fleisch, Beeren und Meeresfrüchten. Heute ernähren sie sich hauptsächlich von Fastfood. Ein Aborigine hat im Vergleich zu einem „normalen“ Australier eine durchschnittlich zehn Jahre kürzere Lebenserwartung, verkündet das Australian Institute of Health and Welfare (Australiens nationale Agentur für Informationen und Statistiken über Australiens Gesundheit und Wohlfahrt, Anm. d. Red.).

Bestimmte Bundesstaaten wie Western Australia oder das Northern Territory waren gezwungen, drastische Maßnahmen zu ergreifen, was das Gesetz zum Verkauf von Alkohol an Aborigines angeht. Einige Staaten, wie das Nordterritorium, haben den Verkauf von Alkohol an bestimmte Gemeinden sogar gänzlich verboten. Die Regierung hat diese als „restricted areas“ (deutsch: Sperrgebiete) bezeichnet und sie einem „weißen“ Beamten unterstellt. Nach 18:00 Uhr müssen die Geschäfte in Westaustralien den Verkauf von Alkohol an Aborigines verweigern. Diese Ausgrenzungsgesetze dienen nicht gerade dazu, den Fortschritt und die Emanzipation im sozialen Umfeld oder im Arbeitsleben der Aborigines zu verbessern.

Eine Vergangenheit, die man nur schwer vergessen kann

Die Geschichte lastet schwer und die Wunden reißen immer wieder auf. Das Eine fühlt sich schlimmer an als das Andere. Der Nationalfeiertag zum Beispiel, der „Australia Day“, mit dem jedes Jahr die Ankunft der Kolonialherren gefeiert wird, löst in den Städten Demonstrationen aus. Die Ureinwohner haben diesen Tag in „Invasion Day“ (deutsch: Tag des Einmarsches) umbenannt. Ein Feiertag für die Einen und eine Höllenfahrt für die Anderen.

Das Gleiche gilt für die „Stolen Generations“. Für die Dauer von etwa einem Jahrhundert befürwortete die Regierung ein „weißes Australien“, wo die in gemischten Beziehungen gezeugten Babys aus ihren Familien herausgerissen wurden. Man wollte sie europäisch zu erziehen. Sie wurden in religiösen Familien untergebracht, damit sie eine „weiße“ Frau heiraten konnten. Die Regierung versuchte damit, ihre Farbe nach der dritten Generation auszuradieren. Sie seien nun „weder Weiße noch Ureinwohner“, erklärt einer von ihnen, und sie hätten es schwer, ihren Platz im Leben zu finden.

Zum Schluss kann man noch sagen, zur Gleichberechtigung wird es noch ein langer Weg sein, ob juristisch oder kulturell betrachtet. Die Aborigines gibt es schon seit vierzigtausend Jahren und es brauchte nur zwei Jahrhunderte um sie fast völlig zu zerstören. Man hat bereits große Fortschritte in der Gleichstellung der Staatsbürger gemacht. Bleibt nur zu hoffen, dass die Regierung die eingeschlagenen Richtung weiterverfolgt.

Fotokredit Titelseite: Johan Mouchet (Unsplash)

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