Drapeau de l'Afrique du Sud

Südafrika – wachsender Fremdenhass

Übersetzt von Claudia Oppong Peprah

In Südafrika werden Immigranten wiederholt durch Angriffe südafrikanischer Einheimischer gepeinigt. Vor einigen Jahren ist ein regelrechter Hass gegen die ausländischen Staatsangehörigen entstanden. Die Südafrikaner wollen sie vertreiben, weil sie ihre Arbeitsplätze und ihre Privilegien gefährden. Die Arbeitsplätze sind – unter anderem – eine der Hauptursachen ihrer Wut. Die Eintracht unter den Einwohnern der „Regenbogennation“ scheint zu bröckeln, bis der Punkt erreicht ist, an dem es kein Zurück mehr gibt.

Chronologie eines Landes in der Krise

2008 traten in Südafrika bei Fremdenhass-Demonstrationen gewaltsame Übergriffe zutage. 62 Personen fanden den Tod und 25,000 Staatsbürger verließen das Land. Nach einem Moment der Ruhe lebten die Aufstände 2015 wieder auf und verbreiteten sich immer weiter. Aufgrund von ethnischen Konflikten, Kriegen und Armut wanderten viele Afrikaner aus. In 2017 wurde von der Flüchtlingskommission der Vereinten Nationen bekannt gegeben, dass Afrika täglich mindestens 34.000 Vertriebene zählt. 2017 sind mehr als 700.000 Ausländer aus Südafrika ausgewandert. Im Februar desselben Jahres ist eine Fremdenhass-Demonstration außer Kontrolle geraten. Die Südafrikaner beschuldigen die Einwanderer, ihnen die Arbeit zu „stehlen“, wirtschaftliche Instabilität zu verursachen und Kriminelle zu sein.

Johannesburg, Afrique du Sud, 24 mai 2008 : Des milliers de protestataires sud-africains et immigrés militent contre les attaques xénophobes ; Il y'a beaucoup de réfugiés du Zimbabwe, qui ont été déplacés dans l'Afrique du Sud dans une vague de violence anti-étrangers. Beaucoup de sud-africains pauvres ont blâmé les immigrants, qui selon eux leur "vole" des opportunités.

Demonstrationen in Südafrika (Quelle: John Moore, Getty Images)

Zwei Jahre später, im September 2019, plünderten Südafrikaner zahlreiche Geschäfte und Haushalte der Migranten, um sie dazu zu bewegen, das Land zu verlassen. Berichten des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) zufolge haben 1.500 ausländische Mitbewohner Südafrika verlassen, um den fremdenfeindlichen Angriffen zu entkommen.

Zudem ist Südafrika von Massenarbeitslosigkeit betroffen. Die Arbeitslosenquote hat die 30%-Marke überschritten und ist in den Townships eventuell weit höher, da sich hier viele Familien in prekärer Lage befinden. Das Land ist auch, trotz der positiven Anti-Diskriminierungspolitik, die es betreibt, immer noch von großen sozialen Ungerechtigkeiten gekennzeichnet. Dieses sozialpolitische Klima macht es den Südafrikanern nicht wirklich leichter, mit den Immigranten zusammenzuleben. Es fehlt an beruflichen Möglichkeiten, die den Südafrikaner angeboten werden, was ihre Abneigung den Ausländern gegenüber noch verstärkt.

Wie steht die Regierung zu dieser heiklen Lage?

Der ehemalige Präsident Jacob Zuma hat 2015 bloß dazu aufgerufen, die fremdenfeindlichen Übergriffe einzustellen. Als sein Mandat 2018 zu Ende ging, dauerte es dann gerade einmal bis September 2019, bis Präsident Cyril Ramaphosa die Angriffe verurteilte. Zudem war der frühere Bürgermeister von Johannesburg, Herman Mashaba, ein passiver Fremdenfeind. Er verurteilte die Angriffe, die die ausländischen Mitbürger erdulden mussten nicht nur nicht, sondern sah in den Immigranten auch die Hauptursache für die zunehmenden Probleme in Johannisburg.

Im Mai 2019 hat die Regierung einen nationalen Aktionsplan aufgelegt, um gegen Rassismus, Fremdenhass und Rassendiskriminierung vorzugehen. Aber der Plan konnte die Gewalttaten gegen die Staatsbürger nicht stoppen. Im Gegenteil, ausländische Einwohner verließen nach wie vor das Gebiet.

Bildquelle: Sowetan, Getty Images

Außerdem traten Gesetze in Kraft, die die Immigration und die Arbeitsaufnahme erschweren. Es ist von der Regierung gewünscht, dass sich die Einstellungen ausländischer Staatsbürger im Land verringern. In bestimmten Sektoren wird es immer schwieriger, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Auch beklagt der südafrikanische Vize-Präsident, dass die Einwanderungssituation beachtliche Kosten mit sich gebracht hat, die, aufgrund der humanitären Bedürfnisse der Immigranten, auf den Schultern des Landes lasten. Er verlangt daher, den Asylmissbrauch einzuschränken. Zudem erlaubt diese Regierung die illegalen Einwanderer zu inhaftieren, unter entsetzlich schlechten Haftbedingungen. Mehr noch, die Verantwortlichen werden nie verurteilt, weder diejenigen der Demonstrationen noch diejenigen der fremdenfeindlichen Aktionen.

Reaktionen der restlichen Welt auf diese Situation

Ende August 2019 haben Muhammadu Buhari und Cyril Ramaphosa bei der September-konferenz zur Entwicklung des afrikanischen Kontinents in Tokio über die Mordfälle der nigerianischen Einwanderer in Südafrika gesprochen. Nach den Massenplünderungen, die im September 2019 auf Geschäfte und Privatwohnungen der in Südafrika lebenden Immigranten verübt wurden, verschlechterte sich die Beziehung jedoch. Als Vergeltungsmaßnahme wurden Geschäfte südafrikanischer Einwanderer in Nigeria attackiert. Infolge dieses angespannten Klimas hat Südafrika beschlossen, seine Botschaft in Nigeria zu schließen. Der nigerianische Außenminister, Geoffrey Onyeama, und der nigerianische Präsident, Muhammadu Buhari, haben die fremdenfeindlichen Übergriffe daraufhin vehement verurteilt.

Auch in Simbabwe wurden die Anschläge auf die Immigranten von den Medien verurteilt. Im September 2019 hat die simbabwische Ministerin für Information, Monica Mutsvangwa, erklärt, die Regierung sei von den fremdenfeindlichen Übergriffen auf die Einwanderer sehr schockiert. Es wurde die Rückführung der betroffenen Simbabwer gefordert.

Moussa Faki, der Präsident der Afrikanischen Union, hat auf die Attacken reagiert. Er hat an Südafrika appelliert, das Problem bei der Wurzel zu packen, um die Ursachen zu verstehen und Frieden und Stabilität wiederherzustellen.

In 2020 hat die Organisation für Menschenrechte, Human Rights Watch, einen Bericht über die Zustände veröffentlicht. Die NGO, die zahlreiche Zeugenaussagen der in Südafrika lebenden Ausländer gesammelt hat, verurteilt die wiederholten Angriffe und wünscht, dass die Regierung dieser kritischen Situation ein Ende setzt.

Fazit

Das Wiederaufleben der fremdenfeindlichen Übergriffe in Südafrika, das sich im September 2020 in den Bewegungen #PutSouthAfricanFirst (Südafrikaner zuerst) und #ForeignersMustGo (Ausländer raus) zeigte, verschlimmerte die Lage nur noch mehr. Zudem wurde die finanzielle Situation des Landes, das sich bereits in einem wirtschaftlichen Abschwung befand, durch die Gesundheitskrise zusätzlich verschärft. Seit dem Ausbruch von Covid-19 leidet Südafrika unter einer Krise, die sich auf die Wirtschaft auswirken und damit alle Berufschancen zunichte-machen könnte. Außerdem hat die Gesundheitskrise die Ungleichbehandlung der Immigranten im Land erst aufgedeckt; die südafrikanische Regierung hat sich mit der Gesundheit der Flüchtlinge überhaupt nicht befasst. All diese Gründe zeigen, dass das konfliktgeladene Klima zwischen Einheimischen und Zuwanderern in Südafrika wohl nicht so schnell zu lösen ist.

Das könnte sie auch Interessieren