Le marché d'Abourdah. Crédit Morgan Faisant de Champchesnel.

Batha: Politische Desillusion, Traum vom Eldorado

ÜBERSETZT VON ADINA HEIDENREICH UND ELENA PINKWART

Macht, Stabilität, wirtschaftliche Dynamik – es gibt viele Worte, um den Tschad zu beschreiben, ein Land, das sich über eine Fläche von 1.200.000 km² erstreckt und voller Kontraste ist. Die Region Batha, nordöstlich der Hauptstadt N’Djamena, lässt sich kaum so positiv beschreiben, obwohl dort vor Kurzem ein Goldvorkommen entdeckt wurde.

Als Idriss Déby als Präsident des Landes im April 2016 wiedergewählt wurde, verkündete man seinen Wahlerfolg in den nördlichen Regionen, wo er Ergebnisse zwischen 90 % und 98 % erzielte. Diese Zahlen überraschen umso mehr, da es sich größtenteils um traditionelle Rebellengebiete handelt. Dort gibt es mehrheitlich Ethnien, die nicht der des Präsidenten entsprechen. Zudem spielt das Ergebnis hier eine wichtige Rolle für die politische Macht, da Batha ein strategischer Durchgangspunkt zum Osten und Norden des Landes ist. Im Osten sind die in Darfur verankerten Rebellengruppen dauerpräsent, Richtung Norden haben viele Rebellengruppen Zuflucht im südlichen Libyen gefunden. Sie haben explizit gedroht, in die Offensive zu gehen, falls Déby wiedergewählt wird.

Starke Militärpräsenz

Die Einheimischen reagieren, auf das Thema angesprochen, oft mit Lachen. Das vorherrschende Gefühl ist tiefe Ernüchterung. Die Fahnen und Embleme der MPS, der Partei von Déby, sind in der Mehrzahl der Dörfer trotzdem sichtbar. Das Emblem stellt sich unmissverständlich dar: eine Hacke gekreuzt mit einem Gewehr, überragt von einer Fackel. Das Gleiche gilt für die Devise der Partei: „Sterben für das Wohl“. Die Beziehung zwischen der Armee und der politischen Partei des tschadischen Vorsitzenden gestaltet sich derart, dass seine Gegner oft gewaltsam bekämpft wurden.

Logo der MPS. Quelle: MPS.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Staat in Batha hauptsächlich militärisch Präsenz zeigt. Ende 2015 wurde ein bedeutendes Goldvorkommen entdeckt. Aus dem ganzen Land, teilweise auch aus Nachbarländern, strömten Goldwäscher herbei, um ihr Glück zu versuchen. Einige hatten ihr Hab und Gut verkauft, um sich ein Moped oder einen Golddetektor leisten zu können, und waren voller Bestreben zur Fundstelle aufgebrochen. Der Preis von Lebensmitteln und lebensnotwendigen Gütern stieg in den umliegenden Gebieten schlagartig. Laut der Sicherheitsrhetorik des Präfekts von Batha war die Stationierung von Truppen gerechtfertigt. Die Armee durfte die massenhaft anwesenden ausländischen Goldsucher kontrollieren. Als Vorwand dafür galt auch der der Einsatz von Quecksilber durch die Goldwäscher, der einen erheblichen Schaden auf die Umwelt, vor allem die Elefanten, darstellt.

Ein Staat, der seine Pflichten vernachlässigt?

Vor Ort äußert die Bevölkerung eine ganz andere Meinung. Das Militär sichert nicht nur den Zugang zu dem Gebiet, es reißt auch oft Besitz an sich, vor allem Mopeds und das Gold der Goldwäscher. Es wird außerdem von tödlichen Schüssen auf Goldsucher berichtet. Sie sind nicht die einzigen Opfer militärischen Missbrauchs. Zahlreiche Händler profitieren von dem Zustrom von Personen, denen sie ihre Waren verkaufen können. Auch sie mussten erleben, wie ihre Güter verbrannt oder konfisziert wurden.

In Batha scheint der Staat seinen Pflichten nicht nachzukommen. Die beiden Abschnitte der Straße, die das Gebiet mit der Hauptstadt verbinden soll, sind nie verbunden worden. Der Handelsstrom zwischen Osten und Westen verläuft daher weiterhin durch Nachbarregionen. Einige vielsagende Zahlen zeigen die Verwahrlosung von Batha:

Batha zählt 500.000 Einwohner. 30.000 Kinder sind in der Grund- oder Koranschule eingeschrieben, bei 100 Lehrern. Infografik Auriane Guiot.

Bannerfoto: Der Markt von Abourdah. Quelle: Morgan Faisant von Champchesnel

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