Covid-19-Impfung in den Palästinensischen Gebieten

Übersetzt von Claudia Oppong Peprah

Während in Israel bereits 12% der Bevölkerung mit dem Impfstoff von Pfizer-BioNTech geimpft worden sind, werden die Palästinenser in den besetzten Gebieten – Westjordanland, Ostjerusalem und Gazastreifen – dagegen von der Impfkampagne ausgeschlossen.

Die israelische Regierung muss aufhören, ihre internationalen Verpflichtungen als Besatzungsmacht zu missachten und die notwendigen Maßnahmen ergreifen, damit auch die in den besetzten Gebieten lebenden Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen in fairer und gerechter Weise mit den COVID-19-Impfstoffen versorgt werden,“ erklärte Amnesty International am 6. Januar 2021.

Die Palästinensergebiete sind stark von der Pandemie betroffen

Die palästinensischen Krankenhäuser in den von Israel besetzten Gebieten sind bereits überlastet, sie leiden unter Personalmangel und fehlenden medizinischen Geräten. Seit Ausbruch der Pandemie sind bereits 1.600 Palästinenser an Corona gestorben und es ist keine Besserung in Sicht. Die etwa fünf Millionen Palästinenser, die im Westjordanland und im Gazastreifen leben, sind von der Impfkampagne Israels ausgegrenzt. Letzten Sonntag hat die Palästinensische Autonomiebehörde Tel Aviv scharf dafür verurteilt, den Palästinensern im Westjordanland keine Impfstoffe zuzubilligen, und bezeichnete diese Vorgehensweise als Verstoß gegen internationales Recht.

Einer jüngsten Studie des palästinensischen Statistikamts zufolge, hat sich die Arbeitslosigkeit erhöht und erreicht 14,2% im Westjordanland 44,5% im Gazastreifen. Das Staatsdefizit blieb nicht davon verschont und hat die drei Milliarden-Dollar-Marke überschritten. Seit der israelischen Blockade 2007 ist der Gazastreifen zweifellos die Zone, die von der Krise am stärksten betroffen ist. In der Tat sind mehr als 80% der Krankenhausbetten mit Covid-19-Patienten belegt, was kaum dazu beitragen wird, die gesundheitliche Situation der Palästinenser zu verbessern. Scheich Tamim ben Hamad Al Thani, Emir von Katar, hat eine Verlängerung der finanziellen Unterstützung für die Bevölkerung in Gaza angekündigt, um ihnen im Kampf gegen die Epidemie zu helfen.

COVAX, Sputnik V: welchen Ausweg gibt es für die Palästinenser?

Aufgrund mangelnder Kühlmöglichkeiten können die Palästinenser nicht auf den Impfstoff des amerikanischen Pharmaunternehmens Pfizer zurückgreifen, der so entwickelt wurde, dass er nur bei extrem niedrigen Temperaturen aufbewahrt werden kann. Der israelische Staat hat der Palästinensischen Autonomiebehörde zwar ein paar Dutzend Dosen des Impfstoffes abgegeben, was aber beileibe nicht genug ist.

Ramallah hofft, vom COVAX-Programm der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu profitieren. Dieses Projekt zielt darauf ab, Impfstoffe für 20% der Bevölkerung aller teilnehmenden Länder bereitzustellen. Viele von ihnen sind arm und von der Pandemie stark geschwächt. „Wir haben ein offizielles Schreiben der WHO erhalten, wonach nächsten Monat mit der Versendung der Impfstoffe begonnen werden soll, damit 20% der Bevölkerung abgedeckt werden können,“ gab Yasser Bouzia an offizieller Stelle des palästinensischen Gesundheitsministerium bekannt.

May Al-Kaila, die palästinensische Gesundheitsministerin, hat sich ebenso an Moskau gewandt, um Dosen des Impfstoffes Sputnik V zu erhalten. Die russischen Verantwortlichen haben allerdings erklärt, nicht genügend Kontingent zur Verfügung zu haben, um allen Anfragen gerecht werden zu können.

Palästinensische Impfgegner in Ostjerusalem

Einen Impfstoff zur Verfügung zu haben ist gut, sich auch impfen zu lassen ist besser! Im Impfzentrum des Quartiers Beit Hanina in Ostjerusalem haben sich nur 20% der Palästinenser impfen lassen. Die Palästinenser Ostjerusalems stellen etwa 38% der Bevölkerung dieser (für drei Weltreligionen) heiligen Stadt dar. Sie besitzen nicht die israelische Staatsbürgerschaft; 70% von ihnen sind aber über Clalit, einer der vier Krankenkassen Israels, abgesichert.

Viele berichten über Verschwörungstheorien: sie wollen uns töten, uns sterilisieren, es wird unser Erbgut verändern. Man hat mir viele äußerst seltsame Fragen gestellt. Ich habe sogar Angestellte hier in diesem Zentrum, die sich gegenseitig davon abraten, sich impfen zu lassen,“ erklärte Dima Bitar, Mitarbeiter des Impfzentrums von Clalit.

Ist eine israelisch-palästinensische Zusammenarbeit möglich?

Im März 2020 haben israelische Behörden die Lieferung medizinischer Geräte nach Gaza zugelassen. Die Vereinten Nationen (UNO) haben Israels Kooperation mit den Palästinensern im Kampf gegen Corona begrüßt. Diese gegenseitige Hilfeleistung ist das Symbol spontaner Zusammenarbeit, das über die Spaltung der beiden Lager hinausgeht. Es bleibt allerdings fraglich, ob die guten Beziehungen von Dauer sein werden und sich evtl. sogar verbessern, so dass es möglich wird, alle Palästinenser in den besetzten Gebieten zu impfen.

https://www.lesechos.fr/monde/afrique-moyen-orient/covid-israel-vaccine-massivement-les-palestiniens-dans-lattente-1281084

https://fr.timesofisrael.com/virus-les-palestiniens-esperent-recevoir-les-premiers-vaccins-en-fevrier/

https://fr.timesofisrael.com/mefiants-les-palestiniens-de-jerusalem-est-se-font-peu-vacciner/

https://www.chroniquepalestine.com/campagne-vaccination-met-a-nu-apartheid-israelien/

https://www.chroniquepalestine.com/la-face-sombre-de-la-campagne-de-vaccinations-en-israel/

https://www.i24news.tv/fr/actu/israel/1609960673-coronavirus-israel-a-remis-des-dizaines-de-doses-de-vaccin-a-l-autorite-palestinienne-medias

https://www.amnesty.org/fr/latest/news/2021/01/denying-covid19-vaccines-to-palestinians-exposes-israels-institutionalized-discrimination/

https://www.ouest-france.fr/monde/israel/israel-accuse-d-etre-un-regime-d-apartheid-7116203

 

Foto von Ben_Kerckx

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