Die Arktis – das neue Eldorado des schwarzen Goldes?

Übersetzt von Claudia Oppong Peprah, Revisor: Guéric Cardet

Durch die Klimaerwärmung scheinen sich in der Arktis neue Möglichkeiten aufzutun, beispielsweise beim Transport über die neuen Seewege, die sich „Dank“ der Eisschmelze öffnen, oder auch bei der Energiegewinnung.

Erdöl ist der wichtigste Rohstoff unserer hyperproduktiven Ökonomien. Dieser wird durch die Ausbeutung knapp. Die Entdeckung neuer Ölvorkommen scheint daher lebensnotwendig. Da sich das Klima in der Arktis mildert, werden diese leichter zugänglich.

Gilt es, die Polregion wirklich als „neue Ölquelle“ der Welt zu betrachten?

Ein (zu) teurer Abbau?

Die Ausbeutung der Polressourcen ist sehr aufwändig. Zunächst einmal befinden sich drei Viertel der arktischen Erdölvorkommen offshore (im Meer). Aufgrund der geographischen Isolation und der besonderen Verhältnisse auf hoher See bringt das teure Erschließungskosten und beachtliche Risiken mit sich, die über das normale Maß hinaus gehen. Trotz der steigenden Temperaturen bleiben die Klimabedingungen extrem. Daher muss die Ausrüstung der Kälte standhalten können. Durch die Klimaerwärmung driften vermehrt Eisblöcke ab, die dann zum Risiko für die Plattformen im Meer und für die Schiffe werden.

Die Vorkommen auf dem Festland (onshore) sind – verursacht durch die Klimaerwärmung – neuen Beschränkungen ausgesetzt. Es kann zum Beispiel beim Auftauen des Permafrostbodens zu Erdabsenkungen kommen. Die transnationalen Firmen haben daher die Projekte aufgegeben oder abgewiesen, wie Shell 2015 in Alaska.

Die Kostenfaktor ist also ausschlaggebend für die Förderung in der Arktis. Nach Dr. jur. Loïc Simonet, der sich auf Geopolitik und internationales Recht im Energiesektor spezialisiert hat, dürften diese Kosten zwischen 1 und 10 Milliarden Dollar liegen. Die Produktion eines Öl-Barrels erreicht eine Höhe von 35 bis 100 Dollar. Im Mittleren Osten wäre dies vielleicht für gerade mal 5 Dollar möglich. Transportkosten kommen noch hinzu. Die arktischen Seewege bleiben, wenngleich auch zunehmend befahrbar, dennoch unumgänglich. Es werden Eisbrecher und Pipelines für Öl und Gas benötigt, die dem polaren Klima trotzen.

Ausbeutung in Abhängigkeit vom Ölpreis

Die Ausbeutung der Kohlenwasserstoffe in der Arktis scheint sich also nicht zu rentieren, vor allem, wenn die Rentabilität in direkter Abhängigkeit zum Preis eines Öl-Barrels steht. Solange der Ölpreis niedrig ist, lohnt sich das Öl der Arktis im Vergleich zum dem des Mittleren Ostens nicht.

Außerdem muss die Preisstruktur nachhaltig sein, um mit dem Abbau einer Ressource zu beginnen. Im Prinzip bedarf es nur einer Wirtschaftskrise und die Preise kommen schnell zu Fall. Darüber hinaus ist die Gesundheitskrise, die wir gerade durchmachen, für die Öl- und Gasförderung in der Arktis wohl nicht unbedingt vorteilhaft.

Eine zu euphorische Darstellung

Es hat den Anschein, dass die Rentabilität noch weiter geschmälert wird, da drei Viertel der arktischen Kohlenwasserstoffe aus Gas und nicht aus Öl bestehen. Gas hat nicht den gleichen hohen strategischen Wert wie Öl, und das amerikanische Schiefergas ist ein ernstzunehmender Wettbewerber.

Auch ist die Darstellung der unermesslichen Ölreserven in der Arktis sehr umstritten. Camille Escudé-Joffres, Dozentin der Geographie, mahnt sogar, dass die Zahlen nur Schätzungen sind. Und dass die Kohlenwasserstoffe an einem Ort vorkommen, ist auch nicht immer sicher. Die Studie, die 2008 vom United States Geological Survey (USGS) durchgeführt wurde, behauptet, dass die Arktis 29 % der weltweiten Gas- und 13 % der Ölreserven repräsentiert. Trotzdem haben sich die Bohrungen, die daraufhin ausgeführt wurden, als enttäuschend erwiesen.

Unbestreitbare Umweltschäden

Letzten Endes hat der Abbau der Kohlenwasserstoffe in der Arktis katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt. Seien es Leckagen in den Ölleitungen (oder Pipelines), oder Unfälle, sicher ist, dass dies die Polregion sehr negativ beeinflusst. Einem Greenpeace-Bericht aus 2014 zufolge laufen in Russland pro Jahr schätzungsweise mehr als 30 Millionen Öl-Barrel aus.

Das ist der Grund warum sich zahlreiche Non-Profit-Organisationen (NGOs), Organisationen indigener Völker und ganze Staaten zusammenschließen, um gemeinsam gegen die Ausbeutung der Arktis vorzugehen. Obwohl viele von ihnen die neue Aktivität als Einnahmequelle begrüßen, die einheimische Bevölkerung eingeschlossen, schwanken viele der Anrainerstaaten zwischen Umweltschutz und Ausbeutung. Die Angst vor Umweltkatastrophen drängt manche dazu, einen Teil ihres Territoriums zum Naturschutzgebiet zu erklären. Das ist zum Beispiel in Norwegen der Fall, wo man das Archipel der Lofoten unter Schutz stellt; vor allem aus touristischen Gründen, weil ein durch Umweltverschmutzung verseuchtes Gebiet nicht sehr attraktiv ist.

Fazit

Trotz der immer milder werdenden Temperaturen der Arktis, scheint diese Region weit davon entfernt, das neue Eldorado der Erdölgewinnung zu sein. Es gibt zu viele Einschränkungen, als dass man in Sachen Rentabilität mit dem Mittleren Osten konkurrieren könnte.

Allerdings könnten technologische Neuerungen und ein Preisanstieg des Öls Begehrlichkeiten wecken. … Man hat bereits angefangen, die Kohlenwasserstoffe der Arktis abzubauen und dabei gravierende Umweltschäden verzeichnet. Eine stärkere Ausbeutung würde folglich eine erhebliche Bedrohung für das ohnehin beeinträchtigte Ökosystem dieser Region darstellen.

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