Russland – Durch die Ausfahrt der „Arktika“ entfacht der Kampf um die Nutzung der Arktis wieder aufs Neue

Übersetzt von Claudia Oppong Peprah

Der atomgetriebene russische Eisbrecher „Arktika“ ist am 17. September in den Hafen von St. Petersburg zurückgekehrt. Am 22. September lief er bereits wieder aus, um sich nach Mourmansk, seinem zukünftigen Heimathafen, zu begeben. Die Fahrt erlaubt es ihm, seine Fähigkeiten ein letztes Mal unter Extrembedingungen zu testen.

Das gewaltige Schiff vom Typ LK-60Ya misst 173,3 Meter Länge und kann eine Eisdecke von drei Metern Dicke durchbrechen. Es ist für den Transport von Kohlenwasserstoffen vorgesehen und sollte in der Lage sein, Moskaus Lieferungen nach Süd-Ost-Asien zu erleichtern.  

Das russische Flaggschiff hat mit dieser Ausfahrt, die mehrfach verschoben worden war, die Debatte über den Kampf um den Einfluss in der Arktis wieder aufleben lassen, aber auch über die Schäden, die durch die Klimaerwärmung im Hohen Norden entstehen. Eine klimatische Erwärmung, die, besonders in dieser Region, zweimal schneller von statten gehen könnte als auf dem restlichen Planeten. Es wirkt prompt zugunsten Moskaus, den Seeweg zu nutzen, der Murmansk mit der Meerenge zur Beringsee verbindet, eine neue Handelsroute, die in naher Zukunft durch die Eisschmelze befahrbar sein wird.

Unerschöpfliche Ressourcen – Objekt der Begierde

Die Arktis ist seit Jahren schon das Ziel im Kampf um Einflussnahme. Mehrere Länder liefern sich dort ein Gefecht, um sich die Ressourcen anzueignen. An vorderster Front die Polmächte Kanada, Russland, die USA, Norwegen und Dänemark, aber auch ursprünglich nicht direkt betroffene Akteure wie Europa und China. Das hat nur einen Zweck: Der Meeresgrund ist reich an Bodenschätzen und weckt Begehrlichkeiten. Es befinden sich dort 18% der Öl- und Gasreserven der Welt. Auch wenn sich die Ressourcen wegen der extremen Klimabedingungen jetzt noch nicht lohnen, weil der Abbau zu teuer ist.

Die Ausfahrt der Arktika, dem leistungsstärksten Schiff der Welt, erlaubt es Russland, seinen Vorsprung zu untermauern und seinen Platz als führende Nation bei der Entwicklung und wirtschaftlichen, energetischen und strategischen Nutzung der Arktis festzusetzen. Es ist seit 1957 in der Region präsent, seit sieben Jahren auch militärisch. Seit 2013 wurden dort sieben Militärbasen neu aufgebaut bzw. modernisiert. Alexandre Taithe von der Wirtschaftszeitung Les Échos sagt: „Moskaus Remilitarisierung der Arktis könnte in erster Linie so verstanden werden, dass Russland seine arktischen Ressourcen absichern will, im Falle dass die sibirischen Felder zur Neige gehen.“

Der Arktische Rat als Friedensstifter in Bezug auf die Gebietsansprüche

Heute stehen 90% der Ressourcen des Arktischen Ozeans den fünf Anrainerstaaten zu, nachdem sie ihre AWZ auf 350 Meilen erweitert haben“, und es handelt sich seitdem dabei um eine inner-arktische Problematik. Die restlichen 10% werden weiterhin durch internationales Recht geregelt. Derzeit sind aufgrund der Gebietsaneignungen zwar noch ein paar Konflikte offen, diese können aber nur unter Einbezug und mit der Bereitschaft der acht permanenten Mitglieder des Arktischen Rats gelöst werden: USA, Dänemark, Kanada, Norwegen, Russland, Finnland, Schweden und Island. Das ist nicht immer leicht. In 2016 hat Russland einen Antrag an die UNO gestellt, mit der Forderung, den Festlandsockel der Arktis zu erweitern. Ein Antrag, der seit Kurzem auch von geologischen Studien auf Basis von Mendeleïev gestützt wird. 

Im Augenblick hat Russland einen großen Vorsprung, was die kommerzielle Ausbeutung der Arktis angeht, und rechnet damit, diesen, mit dem Bau von zwei weiteren nuklear-getriebenen Eisbrechern des gleichen Typs noch weiter auszubauen: Oural und Sibir. Die USA und Kanada können da nicht wirklich mithalten. Wie Hervé Baudu erklärt, „haben sie Mühe, die finanziellen Mittel aufzutreiben und es fehlen ihnen die politischen Ambitionen, eine Flotte von Eisbrechern zu entwickeln, die das ohnehin aufgeblasene Marineaufgebot noch weiter erhöht.“ Moskau kann sich sicher sein, dass die Konkurrenz derzeit in diesem Bereich nicht schritthalten kann.

Titelfoto: Hanko „Ледокол ‚Арктика‘, 2016 г”

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