StopCovid – die Rechnung geht nicht auf

Übersetzt von Claudia Oppong Peprah / Revisor: Guéric Cardet

Die Anwendung zur Kontaktpersonennachverfolgung, die der französische Präsident Emmanuel Macron am 13. April 2020 bei seiner offiziellen Ansprache erwähnt hat, löste heftige Diskussionen aus. Das deutsch-französische Forschungsteam, das dafür verantwortlich war, die Coronavirus-Tracking-App „StopCovid“ zu entwickeln, hat am Samstag, den 18. April einen Teil der Fragen beantwortet, die sich die Europäer zu Tausenden stellen. Aber die Rechnung geht nicht auf.

Technologie am Krankenbett des Gesundheitswesens

StopCovid war entwickelt worden, um die Verbreitung des Virus nach der Lockerungsphase einzugrenzen. Diese Smartphone-App soll es jedem Einzelnen ermöglichen, via Datenaustausch herauszufinden, ob er mit einer infizierten Person in Kontakt steht oder nicht. Das bedeutet konkret, dass sich die positiv auf Covid-19 getesteten Personen eine anonyme Identifizierten-Liste teilen, die mit denjenigen Personen korrespondiert, mit denen sich ihre Wege während der Inkubationszeit gekreuzt haben. StopCovid wird auf der kabellosen Bluetooth Mobilfunk-Technologie basieren, so dass – im Gegenzug – die Geodaten des Anwenders nicht mittels GPS lokalisiert werden können.

Deutschland macht einen Rückzieher

Die französischen Abgeordneten sind angehalten, am 28. April zu dieser Anwendung Stellung zu nehmen. Die Regierung wird reichlich mit Fragen zur Funktionalität und zum Nutzen der App konfrontiert werden. Welche Effizienz bietet sie? Welchen Einfluss hat sie auf den Alltag? Wie hoch ist das Maß an Sicherheit der übermittelten Daten? Besteht das Risiko der Weitergabe an Dritte? Wann stößt sie konkret an ihre Grenzen? Vieles was im Dunkeln liegt, muss noch aufgeklärt werden. Die nationale Datenschutzbehörde Frankreichs (Commission Nationale de l’Informatique et des Libertés, CNIL) hat untersucht, ob die Applikation mit der Datenschutz-Grundverordnung GSDVO konform ist. Sie hat daraufhin den Wunsch geäußert, „nach der Parlamentsdebatte erneut darauf zurückkommen zu wollen.“ Sie prüft insbesondere, ob die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen ergriffen worden sind. Deutschland hat aufgrund dessen eine Kehrtwende vollzogen und beschlossen, die Daten zur Personennachverfolgung, die von dieser App gesammelt werden, nicht zentral zu verarbeiten. Frankreich bleibt also eines der einzigen Länder Europas, die eine zentrale Datenverarbeitung befürworten.

Divergenzen beim Zugriff auf das Tool

Obwohl sich dies im Grunde genommen gut anhört, lässt das Format, in dem es sich abspielt, doch Zweifel aufkommen. Wenn wir eine Parallele ziehen zwischen den am meisten gefährdeten Personen und der Zahl derer unter ihnen, die ein Smartphone besitzen, geht die Rechnung nicht mehr auf (
98% bei den 18-24-Jährigen vs. 44% bei den 70-Jährigen und darüber). Außerdem funktioniert diese App nur auf freiwilliger Basis. Selbst wenn man annimmt, dass jeder Europäer ein Smartphone besitzt, müsste er – zum Wohl der Allgemeinheit – immer noch bereit sein, die App auch wirklich downzuloaden. Kann man angesichts dieses fragwürdigen Nutzeffektes optimistisch sein? Zweifellos müsste für die Nutzung ein Anreiz geschaffen werden. In welcher Form? Die Regierungen haben wieder einmal alle Hände voll zu tun.

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