Treedom – 10-jähriges Engagement für die Umwelt

Übersetzt von Claudia Oppong Peprah / Revisor: Guéric Cardet

2010 brachte Treedom in Florenz ein ambitioniertes Projekt auf den Markt: Es verkaufte echte Bäume aus der Ferne und eröffnete seinen Kunden die Möglichkeit, diese bei ihrer Entwicklung zu verfolgen. Zehn Jahre später – was ist daraus geworden und was sind die Perspektiven?

Es waren die Jahre, als das Facebook-Spiel Farmville zum Trend wurde, von dem Federico Garcea, einer der Gründer, ein passionierter Fan war. Er gab sogar Geld dafür aus, um die virtuellen Bäume für seine Farm zu kaufen. Tommaso Speroni, sein Freund, hatte eine Idee: Wenn die Leute bereit sind, virtuelle Bäume mit echtem Geld zu bezahlen, warum dann nicht gleich echte Bäume? Aus dieser Frotzelei entstand der Grundgedanke zu Treedom.“ So die Worte von Tommaso Ciuffoletti, Content Manager der Plattform, der uns ein Interview gewährt hat.

Aber was ist Treedom? Das Hauptgeschäft der Online-Plattform besteht aus dem Verkauf von Bäumen. Anschließend kommen sie in den Besitz der Bauern in den Entwicklungsländern. Aber damit ist es natürlich noch nicht getan.

Eine virtuelle Beziehung durch die Bäume

Das eigentliche Ziel der Plattform ist es, Bäume zu pflanzen. Aber wie und wo? „Wir realisieren Projekte zur Errichtung von Agrarforstsystemen. Das bedeutet, eine Kombination von Bäumen zu pflanzen, die, durch die Wechselwirkung, die sie aufeinander haben, zu einem vorteilhaften Nutzen für die Umwelt beitragen können,“ ist die Antwort Ciuffolettis. „Es gibt zum Beispiel Bäume, die Stickstoff fixierende Eigenschaften haben. Man kann versuchen, sie in die Nähe der Kulturen zu pflanzen, z.B. bei Mais, so dass der Boden nicht durch den Substanzabbau verschlechtert wird.“

Dieses Modell bringt auch den enormen Aufwand mit sich, die Bauern zu unterrichten, die diese Systeme kultivieren wollen. Ciuffoletti fügt hinzu: „Ein Baum ist eine langfristige Garantie, viel besser als die saisonale Bewirtschaftung. Ein ausgereifter Baum ist produktionsfähig und hat praktisch keinerlei Unterhaltskosten.“

Die Produktionsfähigkeit ist der zweite Aspekt der Projekte von Treedom. Tatsächlich kann der Landwirt, wenn er sich angemessen um den Baum kümmert, auch die Erträge ernten. Ein Ansporn für den Kleinbetrieb, mitunter aber auch eine Unterstützung für die Zukunft. „In manchen Ländern akzeptieren die Schulen die Früchte als Zahlungsmittel; man kann die Kinder studieren lassen,“ sagt Ciuffoletti und fährt fort: „Die Bauern, denen wir unser Projekt vorschlagen, halten mich teilweise für verrückt. Man bietet ihnen Pflanzen an, schult sie im Anbau und überlässt ihnen die Früchte. Man verlangt nichts dafür, außer, ein Foto auf der Internetplattform hochzuladen und die individuellen Tagebücher der Bäume auf dem neuesten Stand zu halten. Ich muss also erklären, dass es unser Ziel ist, eine Verbindung herzustellen, zwischen dem Käufer des Baumes und dem Landwirt, der ihn anbaut. Diese Beziehung wird durch den Eintrag auf der Tagebuchseite und dem georeferenzierten Foto des Baumes manifestiert.“

Erweiterungsperspektiven

Treedom ist eine junge Plattform, die sich in der Erweiterung befindet. Sie hat daher viele Märkte und Sektoren zu erkunden. In der Tat, so Ciuffoletti: „Unser operativer Sitz befindet sich in Florenz, aber wir haben einen zweiten Firmensitz in Deutschland. Wir sind auch dabei, den britischen Markt zu evaluieren. Danach erschließen wir eventuell weitere Märkte in Europa, aber mit einer vernünftigen Balance. Auf jeden Fall können die Leute bereits aus der ganzen Welt auf unserer Plattform einkaufen, wo auch immer sie sich befinden.“ „Wir sind auch Teil eines Netzwerkes von Firmen mit B Corp Zertifizierung, die sich durch ihre hohen Standards und ihrem Einsatz im sozialen und ökologischen Bereich auszeichnen. Es ist für uns wichtig zu wissen, dass wir mit unserem Engagement nicht alleine sind.“

Eine neue Verpflichtung für die biologische Vielfalt

Agrarwirtschaftlich gesehen sollen die Aktivitäten von Treedom in Richtung Biodiversität gehen. „Wir haben in Tansania ein Pilotprojekt zum Schutz der Bienen gestartet. Wir versuchen, die Pflanzung von Bäumen mit der Ansiedlung von Bienenvölkern zu verknüpfen. Einerseits hat der Landwirt dadurch eine weitere Einnahmequelle, andererseits arbeiten wir an der biologischen Front, um die Biodiversität zu bereichern. Außerdem wurde bereits wissenschaftlich erwiesen, dass es Bäume gibt, die bessere Früchte tragen, wenn sie durch die Biene bestäubt werden. Man hat nicht immer die richtigen Voraussetzungen für solche Projekte, aber wo es möglich ist, muss man es machen, weil es unglaublich positive Auswirkungen hat,“ erklärt Ciuffoletti.

Fazit

In zehnjähriger Tätigkeit hat Treedom seinen Teil zum Wohl des Planeten beigetragen. Natürlich zum Wohl der Umwelt, aber auch zum Wohl der Wirtschaft und Gesellschaft der Länder, die von den Projekten betroffen sind.

Die graphische Gestaltung der Seite erinnert an ein Computerspiel, mit der Möglichkeit, Wälder zu erschaffen und seine Bäume zu spenden. Der Effekt des Spiel ist dabei sehr real und sichtbar, mehr als 600.000 Bäume auf der ganzen Welt. Um es noch einmal mit den Worten Ciuffolettis zu sagen: „Der einzelne Baum hat seinen Sinn darin, mit anderen Bäumen zusammen an der Realisation eines Projekts beteiligt zu sein. Das ist für uns ausschlaggebend. […] Die Zahlen sprechen nur für einen Teil der Geschichte, das wirklich Wesentliche geht weit darüber hinaus.“

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