Crédit Georgia Mouton-Lorenzo.

Berlinale 2017: Eine Ode an den Mut und den Zusammenhalt

ÜBERSETZT VON MARIE MICHEL UND LYDIA CHENG

Ohne Glitzer, ohne Glamour, dafür stets entschieden politisch, so fanden auch letzten Februar zum 67. Mal die Berliner Filmfestspiele statt. Zahlreiche Vorführungen und Debatten haben die Toleranz und den Widerstand gegen die wachsende Fremdenfeindlichkeit in Europa und gegen die Politik Donald Trumps hochleben lassen. Ein kleiner Überblick über diese zehn Tage reich an Emotionen.

Die Berlinale, als einziges großes Filmfestival auch der Allgemeinheit zugängig, bringt jährlich über 300.000 Zuschauer zusammen. Schon seit einigen Jahren setzt sich das Programm aus Filmen zusammen, die im aktuelle Geschehen verankert sind. Dabei prangern sie, einige ausdrücklich, andere stillschweigend, politische oder gesellschaftliche Probleme an. Somit bietet dieses Ereignis einen großartigen Schauplatz für politischer Diskurse.

Eine aufständische Jury und politisch engagierte Filme

Auch dieses Mal machten politisch engagierte Filme einen großen Teil des Programms der Berlinale aus. Somit war es der Filmwelt möglich, ihre Besorgtheit angesichts der aktuellen politischen Geschehen zu vermitteln. Ebenso hat die Jury es sich nicht nehmen lassen, ihrer politischen Anteilnahme Ausdruck zu verleihen.

„Ich möchte alle wissen lassen, dass es viele Menschen in meinem Land gibt, die bereit sind, Widerstand zu leisten“, erklärte die amerikanische Schauspielerin Maggie Gyllenhaal während einer Pressekonferenz mit Bezug auf Donald Trump. Dieses politische Bewusstsein zeigte sich schon während der Eröffnungszeremonie. Dort verkündete Dieter Kosslick, Direktor des Filmfestivals: „ Ein Gespenst geht um – nicht nur in Europa“. Nach ihm bedeutet dies das „ Scheitern der großen Utopien und der Entzauberung der globalisierten Welt“. Diese Formulierung lässt deutlich an Karl Marx anklingen. Das Leben des Philosophen wurde übrigens von Raoul Peck in einem der Wettbewerbsfilme „Le jeune Karl Marx“ verfilmt.

Optimismus gegen den allgemeinen Pessimismus

Dieter Kosslick erklärte, das Programm sei von den Themen „ Mut, Zuversicht und (…) auch sehr viel Humor“ getragen worden. Er erinnert daran, dass Kino auch als Medium dazu dienen kann, uns über den Zustand in dieser Welt aufzuklären. Als er und sein Team beganen, „das Programm auszugestalten, (wussten sie) noch nicht, was in der Welt geschehen wird, es war aber so, als ob sie, die Regisseure, es vorhersehen konnten“.

Jene Zuversicht kommt auch in „The other side of hope“ von Aki Kaurismäki, gefeierter Film der Berlinale, zum Vorschein. Er hat sich entschieden, mit Humor auf die schwierige Frage der Integration von Migranten zu antworten. Der Regisseur erklärt „seine Intention, die Sichtweise und Vorurteile der Zuschauer in Bezug auf Flüchtlinge zu verändern“. Er hat daran erinnert, dass das Fundament der Europäischen Union zerbrechlich sei, jedenfalls wenn in einer Gesellschaft die Ideale einer Gemeinschaft nicht mehr aktuell erscheinen.

Ebenso hervorzuheben: die Dokumentation „I am not your Negro“ („Ich bin nicht dein Neger“). Dabei handelt es sich um ein nicht bestätigtes Zitat von James Baldwin, welcher eine historische Rolle in der Bürgerrechtsbewegung in den USA einnahm. Der Film thematisiert  die Rassentrennung und Diskriminierung, welche in dem Land seit der Abschaffung der Sklaverei wütet.

Eine alljährliche Bühne zur Feier der Toleranz

Mit über 400 Filmen aus 70 verschiedenen Ländern lässt die Auswahl des Festivals die verschiedensten Stimmen zu Wort kommen. So wurde in diesem Jahr zum Bespiel dem afrikanischen Kino ein großer Anteil eingeräumt. Der Film „Félicité“ unter Regie von Alain Gomis hat besonders unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Dieser französisch-senegalesische Film zeichnet ein starkes Porträt der Frau und ist ein wahrhafter Appel an den Mut und an die Freiheit.

So wie auch schon im letzten Jahr erhielt eine Dokumentation die höchste Auszeichnung: „Fuoccoammare“ von dem Italiener Gianfranco Rosi. Darin zeichnet er ein Bild von der aktuellen Lage der ankommenden Flüchtlinge und dem Sterben am Strande Lampedusas.

Der Regisseur kritisiert darin erbittert die europäische Politik, nach welcher Flüchtlinge möglichst am Betreten europäischen Bodens gehindert werden sollen.

Über Intoleranz kann Berlin nicht lachen. Die Stadt trägt noch schwer an dem Trauma durch die Mauer, welche die Stadt fast drei Jahrzehnte lang teilte. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien: „nach dem Mauerfall haben wir uns gesagt, dass Mauern uns nie wieder trennen sollen. Noch nie galt das mehr als heute“.  

Die Berlinale ist nun für dieses Jahr vorbei. Wir warten gespannt auf das nächste Jahr, von dem wir uns genauso viel Engagement erhoffen. Aber wird dies in einer ruhigeren Welt sein? Seien wir optimistisch!

Titelbild: Werbeplakat der Berlinale 2017, Quelle: Georgia Mouton-Lorenzo

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