En 2012 en Égypte, ce manifestant brandissait le drapeau du pays ainsi que les emblèmes de l'islam et de la chrétienté, symbole de paix et d'œcuménisme. Crédit Alisdare Hickson.

Sinai: koptische Christen Ägyptens auf der Flucht

ÜBERSETZT VON CLAUDIA OPPONG PEPRAH UND ADINA HEIDENREICH

Nach Mordanschlägen in der Region Sinai und einem Video mit der Drohbotschaft des Islamischen Staates sind die koptischen Christen auf der Flucht. Analyse der Situation dieser nationalen Flüchtlinge.

Nachdem der Westen die Flüchtlinge kritisch beäugt, die versuchen an seine Grenzen zu gelangen, könnte man leicht vergessen, dass es auch sehr viele Flüchtlinge in der Levante gibt. Die Hohe Flüchtlingskommission der Vereinten Nationen hat im Jahr 2016 in Ägypten 187.838 Asylanfragen verzeichnet. Von den Antragstellern kommen 65% aus Libyen und 16% aus dem Sudan. Die restlichen 19% kommen aus mehr als 60 Ländern, darunter Somalia, Irak, Äthiopien und Süd-Sudan.

Nationale Flüchtlinge

Zurzeit sind jedoch nationale Flüchtlinge ein Thema. Ägyptische Einwohner sind aus der im Nordwesten der Halbinsel Sinai gelegenen Stadt Al-Arish geflohen. Sie haben sich etwa 200 km weiter im Bezirk Ismaïlia niedergelassen, der noch innerhalb der Landesgrenzen liegt. Es sind insgesamt 90 Familien betroffen.

Diese plötzliche Abwanderung erklärt sich aus der zunehmenden Gewalttätigkeit im Sinai. Ägypten war Schauplatz einer Welle von Gewaltattacken militanter Anhänger des Islamischen Staates gewesen, nachdem Präsident Mohammed Morsi im Sommer 2013 des Amtes enthoben worden war. Morsis Gefolgsleute haben die Katholiken beschuldigt, diesen Umsturz unterstützt zu haben. Hossan El Refaay, Abgeordneter im Parlament als Repräsentant der Stadt Al-Arish, hat in der Daily News Egypt verkündet, dass die koptischen Einwohner der Städte im Nord-Sinai, Al-Arish, Rafah und Skeikh Zuweid häufig die Zielgruppe von Kidnapping und Massakern sind. Er hat hinzugefügt, dass diese Aktionen hauptsächlich dazu dienen, die koptischen Christen aus der Region zu verdrängen.

Capture d'écran Google Earth. Crédit DR.

Foto: Screenshot Google Earth. Fotocredit DR.

Ein „Krieg“ gegen die „Ungläubigen“

Außerdem hat die Gruppe des Islamischen Staates im Irak und der Levante (IS) vor Kurzem den Christen in Ägypten gedroht. In einem Video charakterisieren sie die Christen als „Ungläubige“, die den Okzident gegen die Muslime aufhetzen. Dieser Vorfall folgte unmittelbar auf das Selbstmordattentat, das im letzten Dezember in einer koptischen Kirche in Kairo verübt wurde. Zu diesem Mordanschlag bekannte sich der IS in einer Deklaration, die eine „Fortsetzung des Krieges gegen die Abtrünnigen“ versprach. Der Auslöser für die Flucht nach Ismaïlia war der Anschlag gewesen, der letzte Woche gegen den 65-jährigen Sayed Hakim und seinen Sohn, den 45-jährigen Medhat, verübt wurde. Die Leichen der beiden Männer waren hinter einer öffentlichen Schule in Al-Arish gefunden worden.

In Ismaïlia hat sich Pater Kyrillos Ibrahim der Deutschen Presseagentur (DAP) anvertraut. Er hat bestätigt, dass die Familien von Privatpersonen in Empfang genommen oder in staatliche Unterkünfte gebracht worden waren, die die koptische Kirche angemietet hatte. Die Regierung hat die zahlenmäßige Statistik der in der Region Sinai lebenden Christen nicht offiziell bekanntgegeben. Die Priester und die Bewohner der Region haben Al Jazeera mitgeteilt, dass sich die Anzahl der Kopten stark vermindert. Sie hat vor dem Arabischen Frühling 5.000 überschritten und beträgt 2017 weniger als 1.000.

Anm. d. Red.: Dieser Artikel ist verfasst worden, bevor die Kopten in Ägypten von den Mordanschlägen am Sonntag, den 9. April heimgesucht wurden.

Bannerfoto: 2012 in Ägypten. Ein Demonstrant schwingt die Landesfahne mit den Emblemen des Islams und des Christentums, Symbol des Landes und der Ökumene. Fotocredit: Alisdare Hickson.

 

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